Carmen Misterek verlässt das Geschäftszimmer des Vereins

Kein kompletter Abschied von der TSV-Familie

Misterek c SeitzDer letzte offizielle Arbeitstag naht. Noch bis Freitag, 30.7.2021 ist Carmen Misterek Leiterin des TSV-Geschäftszimmers. Seit Oktober 2000 hat sie die Verwaltung von Neustadts größtem Sportverein „mit Bravour“ gemeistert,

so das einhellige Urteil. In den vergangenen Wochen hat die 56-Jährige einiges aussortiert. Ein großer Karton voll mit Papier wandert in die Entsorgung. Was bleiben wird, sind zahllose Erinnerungen an viele lebendige Momente aus dem Vereinsleben - vor allem aber Kontakte zu Menschen.

„Mein Sozialleben wurde 21 Jahre lang auch sehr intensiv vom TSV bestimmt. Da gibt es so viele tolle Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe“, sagt Misterek. Einen großen Teil davon hat sie zu einem Fest für ihre „TSV-Familie“ eingeladen.

Die gelernte Sparkassen-Kauffrau hatte Ende der 90er Jahre nach einer neuen Herausforderung gesucht. Nicht jeder fand die Idee mit dem Job im Sportverein gut. „Du hast doch so einen sicheren Job bei der Sparkasse“, hieß es mehr als einmal. Als die Zusage vom TSV kam, wagte sie den Sprung ins neue Metier. „Ich habe es 21 Jahre lang nicht bereut“, lautet Mistereks Fazit. „Ich bin jeden Tag gern zur Arbeit gegangen“, sagt sie sehr bestimmt. Sogar als sie eigentlich Urlaub hatte, stand sie mal im Büro und wunderte sich über die Frage ihres Kollegen Christoph Ihringer, was sie denn hier wolle.

Von Beginn an war klar: Der neue Job war familienfreundlich. „Ich wollte und konnte den Kindern mittags Essen kochen und bin danach wieder ins nahe Büro gefahren“, sagt sie. Ihre Töchter wurden beim TSV auch ein Stück weit groß. Ein weiterer positiver Aspekt wird dagegen erst im Rückblick klar: „Ich habe hier immer mit Leuten zusammengearbeitet, die das aus Freude an dem machen, was sie tun.“ Aus den 25 Stunden zum Einstieg wurde schnell mehr, auf die Uhr sah Misterek jedoch nie. „Wenn vor der Mitgliederversammlung die Jahresabrechnung anstand, waren es auch mal 60 Stunden.“

Auf die Frage nach besonderen Höhepunkten muss die TSV-Mitarbeiterin nicht lange überlegen: „Die Großveranstaltungen wie 150-jähriges Jubiläum mit Sportlerball, der Stadtlauf, die Flohmärkte oder unsere Sportschau, das hat schon bei den Planungen einen riesigen Spaß gemacht.“ Nach ihrem Einstieg gehörte das Bereinigen der Mitgliederliste zu den ersten Aufgaben. 1.800 blieben übrig. Zwischenzeitlich hatte der TSV gut 1.000 Mitglieder mehr - die jährliche Fluktuation von rund 400 Menschen eingerechnet, hatte sie mit mehreren Tausend Sportlern zu tun.

Der eigene Sport kam dabei immer etwas kurz für die ehemalige Handballerin. Indoorcycling einmal die Woche stand lange auf dem Programm, „die anderen Angebote kenne ich eher aus der Theorie.“ Aber wer dafür der richtige Ansprechpartner ist und wann welche Gruppe in welcher Halle trainiert, könnte man Carmen Misterek auch nachts fragen - eine kompetente Antwort wäre sicher.

„Corona hat es leichter gemacht“, sagt sie über ihren Ausstieg. Lebensgefährte Andy Scherer ist zwischenzeitlich im Ruhestand, die Kurzarbeit bot Zeit für Gemeinsames. „Unsere Vorhaben ließen sich aber nicht mit dem Anspruch verbinden, den ich an meinen Job habe“, entschied sie irgendwann - und leitete den Abschied ein. Künftig steht vor allem ihr in Köln lebendes Enkelkind weit vorn auf der Prioritätenliste, neben dem eigenen Haus und Garten in Dudensen, aber auch dem Wohnmobil, das gemeinsam ausgebaut wird. „In Zukunft machen wir mehr Handwerkliches“, sagt Carmen Misterek. Einen kompletten Abschied von der TSV-Familie wird es aber nicht geben. „Ich mache ehrenamtlich weiter.“ Aus Freude und mit gleichgesinnten Sportlern eben - und weil die vielen schönen Erinnerungen nachwirken und natürlich nicht aussortiert werden.

Foto + Text: Oliver Seitz

Neustadt, im Juli 2021